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Die Boyneburg
Am Nord-Westrand des Ringgaues

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Die (Ruine) Boyneburgk
Um Mauertrümmer wirbelt welkes Laub, verdorrte Ranken rascheln im Gebälk, und eilend übers kahle Bergeshaupt treibt mit dem Wind zerflatterndes Gewälk. Nicht immer habt ihr diesen Ort geflohn, über raschen Wolken, sind auch fern die Tag, da eines Wetters ungestümes Drohn drei Nächte lang auf diesen Zinnen lag.


Ihr blühend Leben gab als Lösegeld des Burgherrn Tochter, wie"s ein Traum gebot, doch eh" sie nächtens wurd vom Blitz gefällt, sprach sie ein Wörtlein noch vor ihrem Tod: "In jedem Jahre, wenn die Kirschenblüt" der Werra Ufer wunderbar verschönt, gedenket mein bei frohem Spiel und Lied, auch sei den Armen Speis" und Trank vergönnt!" Lang ist es her!

Die stolze Boyneburg und ihre edlen Ritter sind nicht mehr. Sie fochten kühn, sie starben ohne Furcht, doch sank ihr Schild, es brach die starke Wehr. Nur wenn im Frühling jeder Bergeshang im Lande rings mit Blütenschnee sich deckt, da wird beim Mahl durch frohen Liederklang der stille Berg, aus seinem Schlaf geweckt, zu einem Festsaal wundersamer Art, und lieblich wird, was längst in Trümmern starrt, durch dessen Weite licht die Wolke schwebt - von eines Mägdleins letztem Wunsch belebt.

Verfasser: Dr. Heino Flemming, Herleshausen (Werratalverein, Zweigverein Südringgau)


-im Mai 1987-


von Käthe Ehnts-Boin

"Vor mir liegt eine Fotografie, die vor etwa 65 Jahren eine sich anhebende Landschaft mit einem im Hintergrund hochsteigenden Wald zeigt. Links erkennt man eine Scheune und Gutshäuser, rechts ein Schloß und über dem Waldrand einen zerfallenen Turm: das Gut Datterpfeife, das Schloß Boyneburg und einen Turm der Ruine Boyneburg.

Damals führte eine holprige, sehr schmale und von Rinnsalen oft ausgehöhlte steinige Straße von Wichmannshausen zur Datterpfeife und ich erinnere mich, daß meine Tante mit mir vom Gut nach Wichmannshausen mit dem Einspänner fuhr, dort ausstieg, um von Hoheneiche nach Eschwege zu fahren, mir die Zügel übergab mit dem Hinweis, sie nur nicht fallen zu lassen und sonst nichts zu tun. Die lammfromme Stute "Eise" wendete den Wagen und trottete gemächlich, Schlaglöcher und Steine vermeidend, die knapp zwei Kilometer zurück zum Gutshof."

Was heute blieb

"Von dort läßt sich die Ruine Boyneburg mehr erklettern, als auf einem bequemen Sonntagsspaziergang erreichen. Die schmale Straße von Wichmannshausen nach dem Gut und Schloß Boyneburg ist jetzt glatt und asphaltiert, aber der sanftere Zugang zur Ruine Boyneburg führt über Grandenbom. Von dort fährt man mit dem Pkw mühelos bis zum Waldrand und kann (im Herbst durch buntes Laub schlürfend) zum Turnierplatz" der alten Burg schlendern.Auch dann sieht man kaum noch etwas von der Ruine des hohen Turmes, kann aber zwischen den Büschen alte zerbröckelte Mauerwerke erkennen, vermutliche Reste von Wirtschaftsgebäuden der alten Burg.

Nach einem mühsam rekonstruierten Grundriß stellen sich von dieser Seite nach Süden und Norden die Relikte von Schanzen dar. Geht man quer über den etwa tennisschlägerartig begrenzten Platz, gelangt man zunächst an einen verschütteten Brunnen und kommt dann durch die Trümmer von Toren und Mauerresten zu den erhaltenen Rudimenten aus verschiedenen Epochen."
Die Anfänge

Genealogische Auszüge zur Stammtafel der Grafen zu Boyneburg:

Die Grafen von Bomeneburg, deren Haus der zweitälteste Sohn Ottos von Northeim, Siegfried III. (+ 1107), begründete und das mit dessen Sohn, Siegfried IV. - zugleich dem letzten NORTHEIMER -, 1144 in männlicher Linie ausstarb, gehörten zu den  einflussreichsten sächsischen Dynasten ihrer Zeit. Urkundlich wurden sie zuerst 1123 nach der südlich Eschwege gelegenen Bomeneburg benannt; ihr Herrschaftsbereich - im wesentlichen identisch mit dem Ottos von Northeim - erstreckte sich vor allem zwischen Oberweser, Rhume und Leine sowie zwischen Fulda und Werra und reichte weit nach Westfalen hinein (unter anderem Vogtei über Kloster Corvey; Komitate besonders im Bistum Paderborn). Das Erbe der BOMENEBURGER fiel an die Grafen von Winzenburg.

Literatur:
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K.H. Lange, Der Herrschaftsbereich der Grafen v. Northeim 950-1144, 1969 [Lit.].

Im Jahre 1100 war Siegfried anläßlich der Gründung des Klosters Lippoldsberg durch seinen Lehnsherrn, den Erzbischof Ruthard von Mainz, mit seinen Brüdern und Anverwandten zugegen. In den folgenden Jahren schweigen die Quellen über ihn gänzlich.
Erst im Jahre 1106 tritt er uns wieder als Vogt von Korvei entgegen in einer Stellung, die er als Erbe seines Vaters innehatte. Zu Beginn des folgenden Jahres scheint es zwischen ihm und König HEINRICH V. zu Zerwürfnissen gekommen zu sein, denn dieser unternahm im Januar 1107 einen Zug nach Thüringen, um zwei feste Plätze, die Boyneburg südlich Eschwege und die Radelburg, zu zerstören, da, wie es heißt, von ihnen die umliegenden Gebiete durch Räubereien verwüstet worden seien. Die Boyneburg aber hatte sich bis zu dieser Zeit im Besitz Siegfrieds befunden, da er nach ihr genannt wird. Allem Anschein nach hat sich aber sein Verhältnis zum König bald wieder normalisiert. Nachdem er am 26. April 1107 im Kloster Helmarshausen der Überführung der Gebeine des heiligen Modoald beigewohnt und aus diesem Grunde eine Schenkung an die Abtei gemacht hatte, befand er sich am 30. September des gleichen Jahres wiederum in Korvei, als HEINRICH V. hier urkundete. Wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schloß Siegfried mit dem König ein

Übereinkommen, das den Wiederaufbau der Boyneburg und ihre Lehnsübernahme vom Reich durch den NORTHEIMER zum Inhalt hatte. Zu diesem Schluß führt die Feststellung, dass, wie noch zu zeigen sein wird, Siegfrieds gleichnamiger Sohn, Siegfried IV., in der Regel als "Graf von Boyneburg" urkundlich nachzuweisen ist und über das umliegende Gebiet gräfliche Rechte ausgeübt zu haben scheint, die Burg aber andererseits nicht im Verzeichnis seiner Allodialgüter genannt wird und nach dem Tod Siegfrieds IV. im Jahre 1144 wahrscheinlich von KONRAD III. als heimgefallenes Reichslehen eingezogen worden ist.

Noch im Jahre 1107 ist Siegfried III. gestorben. Mit seinem Tod ging sein gräflicher Herrschaftsbereich auf seinen einzigen Sohn, Siegfried IV. von Boyneburg und Homburg, über. Von seiner Gemahlin haben sich keinerlei Nachrichten erhalten.  

Literatur: Annalista Saxo: Reichschronik

Lange Karl-Heinz: Seite 109/124-126  "Die Grafen von Northeim 950-1144"
Lange, Karl-Heinz: Die Grafen von Northeim (950-1144). Politische Stellung, Genealogie und Herrschaftsbereich.
Beiträge zur Geschichte des sächsischen Adels im Hochmittelalter Dissertation Kiel 1958 Seite 109/124-126

Definition entnommen dem Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 390
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    Tafel 746 Auszug aus der "Analista Saxo"

Mystisches und sagenhaftes

Das Froilein von der Boineburg

Auf eine Zeit lebten auf der Boyneburg drei Fräulein zusammen. Der jüngsten träumte in einer Nacht, es sei in Gottes Rat beschlossen, dass eine von ihnen im Wetter sollte erschlagen werden. Morgens sagte sie ihren Schwestern den Traum, und als es Mittag war, stiegen schon Wolken auf, die immer größer und schwärzer wurden, also dass abends ein schweres Gewitter am Himmel hinzog und um bald ganz zudeckte und der Donner immer näher herbeikam. Als nun das Feuer von allen Seiten herabfiel, sagte die älteste: "Ich will Gottes Willen gehorchen, denn mir ist der Tod bestimmt", ließ sich einen Stuhl hinaustragen, saß draußen einen Tag und eine Nacht und erwartete, dass der Blitz sie träfe. Aber es traf sie keiner; da stieg am zweiten Tage die zweite herab und sprach: "Ich will Gottes Willen gehorchen, denn mir ist der Tod bestimmt" und saß den zweiten Tag und die zweite Nacht, die Blitze Versehrten sie auch nicht, aber das Wetter wollte nicht fortziehen. Da sprach die dritte am dritten Tage: "Nun seh ich Gottes Willen, dass ich sterben soll", da ließ sie den Pfarrer holen, der ihr das Abendmahl reichen mußte, dann machte sie auch ihr Testament und stiftete, dass an ihrem Todestage die ganze Gemeinde gespeist und beschenkt werden sollte. Nachdem das geschehen war, ging sie getrost hinunter und setzte sich nieder, und nach wenigen Augenblicken fuhr auch ein Blitz auf sie herab und tötete sie.

Hernach, als das Schloß nicht mehr bewohnt war, ist sie oft als ein guter Geist gesehen worden. Ein armer Schäfer, der all sein Hab und Gut verloren hatte und dem am andern Tage sein Letztes sollte ausgepfändet werden, weidete an der Boyneburg, da sah er im Sonnenschein an der Schloßtüre eine schneeweiße Jungfrau sitzen. Sie hatte ein weißes Tuch ausgebreitet, darauf lagen Knotten [Knollen bzw. Samen] die sollten in der Sonne aufklinken. Der Schäfer verwunderte sich, an dem einsamen Ort eine Jungfrau zu finden, trat zu ihr hin und sprach: "Ei, was schöne Knotten!", nahm ein paar in die Hand, besah sie und legte sie wieder hin. Sie sah ihn freundlich und doch traurig an, antwortete aber nichts, da ward dem Schäfer angst, dass er fortging, ohne sich umzusehen, und die Herde nach Haus trieb. Es waren ihm aber ein paar Knotten, als er darin gestanden, neben in die Schuhe gefallen, die drückten ihn auf dem Heimweg, da setzte er sich, zog den Schuh ab und wollte sie herauswerfen; wie er hineingriff, so fielen ihm fünf oder sechs Goldkörner in die Hand. Der Schäfer eilte zur Boyneburg zurück, aber die weiße Jungfrau war samt den Knotten verschwunden; doch konnte er sich mit dem Golde schuldenfrei machen und seinen Haushalt wieder einrichten.

Viele Schätze sollen in der Burg noch verborgen liegen. Ein Mann war glücklich und sah in der Mauer ein Schubfach; als er es auf zog, war es ganz voll Gold. Eine Witwe hatte nur eine Kuh und Ziege, und weil an der Boyneburg schöne Heiternesseln wachsen, wollte sie davon zum Futter abschneiden, wie sie aber eben nach einem Strauch packte, glitt sie aus und fiel tief hinab. Sie schrie und rief nach Hilfe, es war aber niemand mehr in der einsamen Gegend, bis abends ihre Kinder, denen angst geworden war, herbeikamen und ihre Stimme hörten. Sie zogen sie an Stricken herauf, und nun erzählte sie ihnen, tief da unten sei sie vor ein Gitter gefallen, dahinter habe sie einen Tisch gesehen, der mit Reichtümern und Silberzeug ganz beladen gewesen.

Auf diese alte Sage geht der regionale Brauch zurück, zu Christi Himmelfahrt Brot und Speck an das Volk zu verteilen. Alljährlich wird dieser Brauch von der Familie von Boyneburgk gepflegt und viele Einwohner der umliegenden Gemeinden finden sich zu diesem Fest ein. Dem Brot, welches nicht verzehrt werden sollte, wird eine gewisse Magie zugesprochen. So soll es, gut aufbewahrt, Haus und Hof bei Gewitter vor dem Blitzeinschlag schützen. Tatsächlich soll bis heute noch kein Gebäude in Brand geraten sein, deren Bewohner sich im Besitz eines der dort verteilten Brote wähnen.