| Truhenbau |
|
Kreativität, Handwerk und gute Laune Unser Tischlerseminar liegt nun zwar schon ein halbes Jahr zurück, dennoch wollen wir unsere Erfahrungen nicht vorenthalten. Die Geschichte begann vor gut einem Jahr im November 2007. Damals noch eine wage Idee unserer Mitglieder, wurde schnell auf gute alte Handwerkerart Nägel mit Köpfen gemacht. Wir wollten endlich lernen wie man Truhen bauen kann! Die Truhe selbst sollte einer wikingisch normannischen Truhe von Typ „Oseberg“ entsprechen, da sie zu unserer salisch normannischen Darstellung des 11. Jh. passt. In solchen Truhen wurde vom ca. 8.- 11.Jh. Kleidung und sonstiges Hab und Gut aufbewahrt. Weiterhin kann man sie auch gut als Sitzmöglichkeit auf Reisen und im Lager nutzen. Die Truhe wurde auch z.B. in Drachenschiffen als Ruderbank (Truhe) genutzt. Die Wikinger Truhe ist leicht an den schräg geneigten Seiten zu erkennen. (Abb. 1) Eine Truhe zu bauen ist das Eine, doch woher die Beschläge, Scharniere und Bänder der Truhe bekommen, ist das Andere. Schnell konnte auch hier Abhilfe geschaffen werden. Alex, unser Schmied, bot an, für alle Seminarteilnehmer die Bänder und Beschläge in seiner Schmiede am Dorrenbergergesindehaus nach zeitgemäßen Abbildungen des 10. und frühen 11. Jh. nachzuschmieden und diese der endgültigen Truhenform auch vor Ort anzupassen. Gesagt getan! Was soll einem da noch passieren, wenn man solche Freunde hat? Rolf hieß nun die drei hoch motivierte Truhenbaugruppen á drei bis vier Teilnehmer an zwei Wochenende im Januar und am zweiten Februarwochenende auf das Herzlichste in seiner Werkstatt willkommen. Dass auch er etwas Lampenfieber hatte, wie wohl seine Vorbereitungen und didaktischen Qualitäten bei seinen „Seminaristen“ ankommen würden, hat er uns aber erst hinterher verraten. Es war also für alle, Meister und Lehrlinge, eine Primäre und wir, vollends mit uns selbst beschäftigt, haben von seiner angeblichen Nervosität nichts gespürt. Was soll man sagen, eine Werkstatt mit dem Flair eines Meister Eders, so unser erster Eindruck, und irgendwo in einer Ecke vermuteten wir beim Betreten das verschmitzte Lächeln eines kleinen rothaarigen Kobolds namens Pumukel. Es roch nach frischem und abgelagertem Holz. Alle Regale, Werkzeuge und Maschinen sind mit einer leichten Patina feinen Holzstaubs überzogen. Eine Logik der die Anordnung der Maschinen und Werkbänke folgt ist auf den ersten und auf den zweiten Blick nicht gerade erkennbar aber vielleicht braucht eine individuelle Schreinerwerkstatt, in der das Handwerk und die Handwerkskunst großgeschrieben werd, auch keine industrielle Logik und nach Leanproduction und Zeitmanagement. Es war himmlisch und wir fühlten uns gleich sauwohl bei den zweien! Rolf hat uns zuerst auf das Beste in alle Abläufe und Fertigungstechniken eingewiesen, alle notwendigen Arbeitsschritte und die Handhabung der benötigten Arbeitsgeräte, elektrisch wie traditionell, in Funktion und Wirkung erklärt. Mit viel Spass, guter Stimmung und einer leichten Blessur in Form einer angeschnittenen Fingerkuppe vom Vortag, ging es dann auch in den 2. Tag, der hauptsächlich dem Zusammenbau und der Oberflächenbehandlung gewidment war. Man, das hält auf. Tja aber watt sein muss, muss sein. Soll ja auch schön aussehen nicht war?!
|


